Hier und Jetzt

Uns alle treiben belastende Gedanken um, wie es weiter geht mit den Kindern zu Hause, denn nur wenige kommen jetzt erstmal in die Schule, wie mit der eigenen Arbeit oder dem Homeoffice, wie mit Oma und Opa und überhaupt was wird aus den Sommerferien?

Es belastet uns die diffuse Angst vor dieser unheimlichen Krankheit und dass niemand weiß wer sie hat, bei wem man sich anstecken könnte und was dann passiert. Ungewissheit macht Angst.

In der Gemeinde sind wir auch etwas ratlos, wenn wir in die Zukunft blicken: wie können wir in den nächsten Monaten Gottesdienste halten, wird es Gemeindefeste geben, was ist mit unseren ganzen Gruppen und unserem geselligen Gemeindeleben?

Ich habe geschaut, was raten uns da Ärzte, um mit belastenden Gefühlen und Gedanken umzugehen und habe Folgendes gefunden: „Eine gute Kopfhygiene ist da hilfreich, indem ich also belastende Gedanken schnell loswerde. Belastende Gedanken loswerden: Liste machen, dann kann sich Ihr Gehirn anderen Dingen zuwenden, weil es weiß: Steht ja alles auf dem Zettel.
Ich beschäftige mich am Tag, sagen wir 10 bis 20 Minuten intensiv damit, schreibe das alles auf und widme mich dann nur noch dem, was ansteht. Und wenn dann wieder blöde Gedanken kommen, dann sage ich meinem Gehirn: Das haben wir alles notiert, uns geht nichts verloren."

Dann richte ich den Fokus bewusst auf andere Themen und vor allem aufs Hier und Jetzt.
Sonst verliere man sich schnell in irgendwelchen Szenarien. Und Angst-Szenarien haben gemeinsam, irgendwo in der Zukunft zu spielen und nicht im Hier und Jetzt.
https://web.de/magazine/gesundheit/unsicherheit-gemeinschaftsgefuehl-coronakrise-tipps-helfen-34602590

Um ins Hier und Jetzt zu kommen kann uns die stille Meditation eine Hilfe sein. In der Meditation konzentrieren wir uns auf die Wahrnehmung des Körpers und des Atems, so wie er sich jetzt im Moment gerade anfühlt. Im Hier und Jetzt können wir über unseren konkreten Körper ankommen.

Es besteht in unserer biblischen Tradition ein enger Zusammenhang zwischen konkretem Atem, unserer Seele und dem Heiligen Geist. Das hebräische Wort „Nefes“ meint sowohl den Rachen, den Hals, also den Atemweg, wie auch Seele. Der Heilige Geist heißt im hebräischen die „Ruach“ und bedeutet gleichermaßen: Geist Gottes, wie Wind, Lebenskraft und Atem.
Um unser Bewusstsein in seiner Tiefe zu erfahren, da wo es an Gottes Heiligen Geist rührt, um vom begrenzten Ich-Bewusstsein zum wahren Selbst zu kommen, ist die genaue Beobachtung des Atems ein jahrtausendealter, erprobter Weg: der Königsweg schlechthin.

Lenken Sie nachher Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem. Die Luft kommt und geht. Beeinflussen Sie den Atem nicht. Es geht nicht um ein Machen, sondern um die reine Wahrnehmung. Ob das Atmen ruhig oder hektisch ist, ob es flach oder tief ist, ob es regelmäßig oder unregelmäßig ist, hat keine Bedeutung. Nehmen Sie einfach wahr, wie es in Ihnen atmet.  
Lassen Sie Ihre Aufmerksamkeit ein bisschen tiefer sinken. Versuchen Sie, unmittelbar unterhalb des Zwerchfells zu spüren, wie die Organe durch das Atmen nach unten gedrückt werden und wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückkehren.
Lassen Sie Ihre Aufmerksamkeit noch tiefer in die Mitte des Bauchraums sinken und versuchen Sie wahrzunehmen, wie der Atem den Bauch nach vorne drückt und der Bauch sich wieder zurückzieht.
Bleiben Sie hellwach dabei. Bleiben Sie mit lebendigem Interesse bei der Wahrnehmung: Was ereignet sich da? Bleiben Sie ununterbrochen dabei. Bleiben Sie im Jetzt und lassen alle belastende Gedanken und Gefühle los.

Drei Audiodateien stehen Ihnen zur Verfügung: Die Meditation am 24.3.20 von mir, am 30.3.20 von Birgit Leineweber und am 7.4.20 von Stefan Steinert.

Cornelia Hosp