Fürchtet euch nicht!

Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis zu Jeremia 20,10-13 und Matthäus 10,26-33

Alles muss man dir dreimal sagen! Liebe Mitchristen, so ähnlich klingt es Ihnen vielleicht aus der Kindheit noch im Ohr? Oder auch aus den letzten Tagen vom genervten Partner oder Kollegen oder Chef?  „Alles muss man dir dreimal sagen!“ Wenn ich mich z.B. als Kind in ein spannendes Buch oder beim Spielen verloren hatte, dann musste alles andere warten, wurde wieder vergessen. Alles muss man dir dreimal sagen! Nicht nur beim Predigen denke ich das selber manchmal von anderen: Alles muss man dreimal sagen. Ja wirklich, manches muss man mehrere Male hören, damit man‘s kapiert — anderseits; Manches möchte man sogar mehrmals hören, weil es so schön ist und man davon einfach nicht genug bekommen kann; etwa den Satz; „Ich mag dich!“  oder. „Das kannst du wirklich toll!“

Vorhin habe ich einen Satz genau dreimal vorgelesen. Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht!“ Dreimal. Muss man uns das dreimal sagen? Wollen wirs nicht hören? Oder hören wir es einfach zu gern? Liebe Gemeinde, man kann es wohl gar nicht oft genug sagen. Fast genau vor einem halben Jahr haben wir’s gehört, und fast genau in einem halben Jahr werden wir den Engel wieder hören; „Fürchtet euch nicht! Für euch ist ein Retter geboren.“ Und die erschreckten Frauen am leeren Grab Jesu hören es an Ostern genauso: „Fürchtet euch nicht, er ist nicht hier, er geht euch voraus!“ Man sagt, in der Bibel steht dieser Satz genau 365 Mal – also für jeden Tag ein Mal. Man muss uns das wohl immer und immer wieder sagen: Fürchtet euch nicht! Da geht es um das ganz tiefe Vertrauen, das Vertrauen, dass mein Leben einen Grund hat, der mich hält und trägt und Angst besiegen kann. Das ist beileibe kein blinder, naiver Optimismus. Denn wie Vaclav Havel einmal formuliert hat, brauchen wir „nicht die Überzeugung, dass alles gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal ob es so ausgeht wie ich es mir vorstelle“.

Leider leben wir aber in einer Welt voller Empörung, Misstrauen, Angst. Damit verkauft man Nachrichten. Damit gehört man dazu. Mal ehrlich: Erinnern Sie sich an eine gute Nachricht? Wann haben Sie zuletzt jemand getröstet und Zuversicht verbreitet? Dabei haben wir gegen die Corona-Dauerpanik jede Menge Grund zu Hoffnung und Zuversicht! Vorsicht ist richtig, aber Panik macht kaputt. Und wenn man sogar schon Abstand vor den Liebsten sucht, dann wird die Frohe Botschaft absolut lebensnotwendig: Fürchtet euch nicht!

Wie gut ist es, wenn etwa die Mutter auf das aufgeschürfte Knie des Kindes pustet und beim Verbinden sagt: „Es wird wieder gut!“ Wenn die Freundin sagt: „Komm, das wird schon!“ Wenn der Lehrer oder Chef sagt: „Nächstes Mal klappts!“ Sogar der schüchterne Jeremia vorhin, er kann trotz Todesangst und mutterseelenallein sagen: „Der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.“ Man muss gar nicht alles verstehen, aber es gibt immer Grund zu hoffen! Letzte Woche stand ich am Sarg einer jungen Frau mit 23 nach einem Suizid. Da hatte ich selber feuchte Augen und sagte mir: Hier gilt auch, was am Grab Jesu galt: Fürchtet euch nicht!

Liebe Schwestern, liebe Brüder! Lassen wir‘s uns sagen – trotz allem - dreimal, viermal, immer, bis wir‘s wirklich glauben können:
„Fürchtet – euch - nicht!“

 

Hausgottesdienst mit Kindern am 12. Sonntag im Jahreskreis 21. Juni 2020