Zum Nachdenken: Ein Text von Christoph Baumgart nach 1 Samuel 3

Es war einmal ein Messdiener, der kam immer zu einer ziemlich verlassenen kleinen Kirche, Dort brannte zwar noch das ewige Licht, aber der alte Pastor Eli konnte fast nichts mehr sehen. Gott konnte man in dieser Kirche fast nie mehr spüren, seine Worte waren selten zu hören und Leute kamen auch nicht mehr.

Samuel, so hieß der Messdiener, kam immer und half dem alten Eli. Eines Tages hörte Samuel, wie jemand seinen Namen rief: „ Samuel!“ Sofort flitzte er los und kam zum Pastor: „ Hier bin ich, du hast mich gerufen? Was soll ich machen? Die Kirche fegen?“ „ Nein“, sagte der alte Pastor, „ ich habe dich nicht gerufen. Du kannst wieder gehen.“ „Schade“, dachte Samuel, „ich helf´ doch so gerne, Glocken schwingen, alte Sachen aufräumen…“

Und nach einer halben Stunde wieder: „Samuel komm!“ Wie nichts rennt der Messdiener los, vielleicht gibt es doch was zu machen. Aber der alte Pastor blinzelt ihn an:“Nein ich habe dich nicht gerufen. Geh nach Hause!“ Schade“, denkt Samuel wieder… und läuft über den Friedhof.

Aber dann, jetzt ist er sicher, da war die Stimme wieder, die ihn beim Namen rief: „Samuel, Samuel!“ Und ab wie nichts zum Pastor, klingeln und: „Hier bin ich, was soll ich machen?“ Jetzt aber ist der Pastor verunsichert: Wieso kommt der Kleine immer? Und ihm dämmert etwas aus seiner eigenen Jugend. Sollte es wahr sein, dass der Messdiener sich nicht verhört hat, sondern dass es Gottes Stimme in seinem Herzen war, die Samuel rief? Das hatte er früher mal in einem Buch gelesen, dass Gott selber Menschen beruft. „Gut“, sagte er zu Samuel: „Mach es so, wenn du wieder diese Stimme hörst, dann werde ganz still und sage: ´Rede mein Herr und mein Gott, denn ich werde zuhören!´ Weißt du, es war nämlich gar nicht ich, sondern Gott in dir hat dich gerufen! Er wird sicher was zu dir sagen, aber du musst nur still werden und zuhören!“

Nicht so einfach. Still werden. Zuhören.
Nicht so einfach, wenn neben home office auch die Schulkinder im home schooling unterstützt und die Kleineren sinnvoll beschäftigt werden wollen.

Still werden.  Zuhören.
Das gelang mir bislang in den gemeinsamen Gottesdiensten am Besten. In den letzten Woche ohne die gewohnten Zeiten in der Kirche habe ich versucht das durch kurzes Innehalten in meinem Alltag zu schaffen.
Es ist mir zum Ritual geworden aus einem Buch ein kleines Gebet, einen nachdenklichen Text zu lesen, deren Gedanken mich durch den Tag begleiten. Nicht immer zur gleichen Zeit am Tag. Das Buch liegt an einem Platz, an dem ich oft vorbeilaufe. 

Mich unterbrechen lassen, innehalten und still werden. Hoffen darauf Gottes Stimme zu hören.
Das tut mir gut.

Iris Pilz